Martini meets Marlene
« zurück
 

Kritik aus der
Neuen Vorarlberger Tageszeitung:

 

Mythos Marlene Dietrich -
Wer war diese Frau?

"Martini meets Marlene" hieß es am Donnerstag am Bregenzer Theater Kosmos. Das Publikum war begeistert.

von Ulrike Breit

Claudia Martini singt, erzählt dazwischen aus dem Leben der Marlene Dietrich und nähert sich dem Mythos. Behutsam, aber ungeschönt bringt sie dem Publikum die unvergessene deutsche Schauspielerin und Sängerin näher. Mit Zitaten und kurzen Geschichten zeichnet Martini das Bild einer Entertainerin und nach Liebe Suchenden, aber auch das einer Frau mit großem Herzen und erbitterten Kämpferin gegen den Nationalsozialismus. Dabei spart sie weder die zahlreichen Affären mit Männern wie Frauen aus noch die Verdienste der Marlene Dietrich während des zweiten Weltkrieges. "Nichts war so schwierig und nichts war so lohnend wie mein Einsatz im Krieg", sagte die Dietrich selbst in einem Interview.

Eine einfache Antwort auf die von ihr selbst gestellte Frage "Wer war diese Frau?" bietet Martini nicht. Vamp und Köchin, Mutter und Despotin, Amerikanerin und Deutsche, alle Facetten der Legende werden in dem Programm angeschnitten. Der Abend beginnt in der Zeit des Kriegs und arbeitet sich - mit einer kurzen Rückblende zu den Anfängen der Dietrich - chronologisch vor über den letzten Auftritt der Sängerin 1976 zum Tod der Zurückgezogenen 1992.

Martini kommt als burschikoses Ding in Hemdbluse und Hose auf die Bühne, verwandelt sich - hinter gelben Samtvorhängen während eines Liedes - aber dann in eine laszive Diva im Abendkleid. Mit sicherer Stimme bringt sie die Lieder (wie Lili Marlen, Sag mir, wo die Blumen sind; Johnny, wenn du Geburtstag hast; you're the cream in my coffee) auf die Bühne, stets begleitet von Tonc Feinigs präziserem Piano-Spiel.

Claudia Martini gibt sich energisch und mondän, räkelt sich lasziv auf dem Tisch, fragt frech nach einem Schlückchen Whisky, aber immer mit einem kleinen, oft spöttisch anmutenden Lächeln, das dem Publikum zu sagen scheint: Ich bin es nicht. Denn kopieren will sie die Dietrich nicht. Zu groß ist. die Bewunderung, die aus ihr spricht, wenn
sie von der 1992 verstorbenen Ikone erzählt.

Sie schafft es, das Publikum mitzuziehen in den Bann der Legende, indem sie den Menschen hinter dem Mythos mit vor den Vorhang nimmt. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus für die zauberhaften 90 Minuten und holte so Martini - auch in "Vor dem Ruhestand" auf der Kosmos-Bühne - und Feinig für zwei wunderschöne Zugaben (Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, Ich bin die fesche Lola) zurück.

 
« zurück