Martini meets Marlene
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Kritik aus
Klein & Kunst
Zeitung für Kabaret & Comedy Onlein
www.kleinundkunst.at

 

Live dabeigewesen
„Martini meets Marlene“
Rote Bar im Volkstheater

So faszinierend wie der Einstieg bleibt die ganze Latenight-Vorstellung. Allein schon deshalb, weil Martini ständig ihren Blickwinkel wechselt: Sie erzählt uns die Stationen aus dem Leben der Dietrich – von der Jugend in der Polizisten- und Militärfamilie bis zu ihren letzten Jahren in Paris. Dazwischen IST sie fast die Dietrich, allerdings samt eigener Note.

Martini präsentiert uns die Nazi-Verweigerin Marlene Dietrich als facettenreiche Persönlichkeit – bildhaft umgesetzt durch einen überraschenden Kostümwechsel: Ohne ihr Lied zu unterbrechen, tauscht sie hinter der Bühne die Uniform gegen ein atemberaubendes rotes Abendkleid. Und wird so von der Soldatin zum Vamp. Sympathisch bleiben sie dabei immer, die Martini und die Marlene. Egal, ob die beiden das Los der Frontsoldaten („meine Jungs!“) im 2. Weltkrieg erleichtern oder sich auf dem Barhocker im geschlitzten Kleid räkeln.

Reizvoll ist der musikalische Mix mit den alten „Hits“. Ein Best of zum sich wieder Erinnern – vom beschwingten „The Boys In The Backroom“ bis zum lasziven „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Das „und sonst gar nichts“ nimmt man der Martini ebensowenig ab wie der Dietrich. Auch wenn Sie, zum Gaudium der Barbesucher, auf den Knien eines Herrn aus dem Publikum Platz nimmt.

Claudia Martini ist ein großartiger Trost dafür, dass wir Marlene Dietrich nicht mehr live erleben können. Eine Hommage mit heiterer Note, bei der sie und ihr am Royal Conservatory in Den Haag ausgebildteter „Master of Music“ sichtbar Spaß haben.
Drei Zugaben müssen sein, auch dann gibt das Publikum nicht auf. Denn es war angeblich die „vorläufig letzte“ Vorstellung dieser Art – frei nach dem Motto: aufhören, wenn man am besten ist. Aber das wollen wir ja gar nicht glauben - daher: unbedingt Ausschau halten, ob die Martini nicht doch wieder irgendwo die Marlene trifft...

Sylvie Wasshuber für Klein&Kunst Onlein
www.volkstheater.at

 

 
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