Martini meets Marlene
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Kritik aus dem
Tageblatt (Luxemburg)
von Marion Adlung

 

Ein wenig Nachtclub-Atmosphäre gab es am Freitag im "Centre des arts pluriels" in Ettelbrück. Die Schauspielerin und Sängerin Claudia Martini präsentierte ihr Soloprogramm "Martini meets Marlene", eine Hommage an die 1992 verstorbene Schauspielerin Marlene Dietrich.

Für diesen Abend war das Foyer wie eine kleine intime Bar ausgestattet, mit Kerzenlicht und kleinen Tischen für das Publikum - genau das richtige Ambiente für Claudia Martinis Auftritt.

Martini erzählt dem Publikum aus Marlene Dietrichs Leben, von der Jugend in der strengen Militärfamilie, dem Aufstieg zum Hollywoodstar, ihren Auftritten als Sängerin und Entertainerin, bis zu ihren letzten Jahren in Paris. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Dietrichs politisches Engagement gegen NaziDeutschland. Mit "Lili Marlen" eröffnet Claudia Martini den Abend, gefolgt von "Sag mir wo die Blumen sind".

Auf "Marlene-Art" geschminkt und frisiert, gekleidet in Uniform, erzählt sie zwischen den Liedern von Marlenes Engagement als Truppenbetreuerin aufseiten der USA, wofür sie in Deutschland als Vaterlandsverräterin geschmäht wurde. Als Anekdote am Rande sei erwähnt, dass Marlene Dietrich im Dezember 1944 in Diekirch und Ettelbrück halt machte, um vor GIs zu singen.

Dass der Dietrich ihre Auftritte vor den GIs ungemein Spaß machten und sie immer für einen Flirt zu haben war, auch das zeigt Martini. Ob beim flotten "Boys in the Backroom" oder dem melancholischen "Johnny", Martini zeigt Marlene Dietrich als vortreffliche Entertainerin.

Dass Claudia Martini selbst eine prima Entertainerin ist und mit Vergnügen auf der Bühne steht, bleibt dem Publikum dabei nicht verborgen. In neuem Outfit, mit langem, rotem Abendkleid, sucht sie sich im Publikum einen "richtigen Mann" und nimmt ungeniert auf den Knien diverser Herren Platz. Die Herren erheitert es, die Damen auch.

Marlene Dietrich tourte von 1953 bis 1976 durch die Welt und sang ihre bekannten Lieder, mit 75 Jahren zog sie sich in ihr Appartement in Paris zurück, das sie bis zu ihrem Tode nicht mehr verlassen hat.

Ein Blick auf Marlenes Persönlichkeit

Wer war die Frau hinter dem Mythos? Claudia Martini erzählt Anekdöten über Affären mit Männern und auch Frauen, große Lieben und ihr Faible fürs Kochen. Einen Einblick in ihre Persönlichkeit geben diese Erinnerungssplitter nur bedingt. Sind ihre Liedertee aufschlussreicher? "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre", "Kinder, heut' Abend" ..., ist das die wahre Dietrich, die emanzipierte, elegante, geistreiche Frau?

Wie auch immer, ihre Lieder sind zu Evergreens geworden, nicht zuletzt, weil Marlene Dietrich sie authentisch zu interpretieren vermochte. Und Claudia Martini steht der großen Dietrich darin in nichts nach. Sie erobert ihr Publikum an diesem Abend. Mit "I wish you love" beendet sie das offizielle Programm, aber natürlich wird sie ohne eine Zugabe nicht von der Bühne gelassen.

Es dürfen "Ich bin von Kopf bis Fuß" und "Ich bin die fesche Lola" im Repertoire nicht fehlen, immerhin begründete die Rolle der Lola Lola in dem Film "Der blaue Engel" Dietrichs Weltkarriere. Bei "Kinder, heut' Abend" kann Claudia Martini noch einmal richtig aufdrehen. Charmant und kokett startet sie eine erneute Flirtoffensive auf ihre männlichen Gäste. Mit ihrem wunderbaren musikalischen Begleitei, dem Jazz-Pianisten Tonc Feinig, verabschiedet sie sich von einem zufriedenen Publikum.

 
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